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Caritas Bildungswerk legt überarbeiteten Lehrplan für die generalistische Pflegeausbildung vor:Curriculum 2.0: Pflegeausbildung neu gedacht

Was steht eigentlich auf dem Lehrplan für angehende Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner – und wer bestimmt, welche Inhalte im theoretischen und praktischen Unterricht vermittelt werden? Die Antwort darauf gibt das Curriculum. Es ist der verbindliche Lehrplan einer Pflegeschule und regelt, welche Inhalte, Kompetenzen und Lernziele die generalistische Pflegeausbildung umfasst. Genau diesen Lehrplan hat das Caritas Bildungswerk (CBW) grundlegend überarbeitet und sein neues Curriculum 2.0 vorgestellt.
Die Mitglieder der Curriculum-AG: Sie haben einen neuen Lehrplan für die Pflegeausbildung erarbeitet.
Datum:
13. Feb. 2026
Von:
Christian Bödding

2020 startete das CBW mit einem neuen Lehrplan in die generalistische Pflegeausbildung – nun gibt es bereits eine überarbeitete Version. Dass ein Curriculum bereits nach wenigen Jahren vollständig überarbeitet wird, ist im Schulbereich eher die Ausnahme. Beim Caritas Bildungswerk ist es das Ergebnis eines bewussten Prozesses: Erfahrungen aus der Praxis, Rückmeldungen aus dem Unterricht und die Anforderungen eines sich wandelnden Pflegeberufs flossen gezielt in die Weiterentwicklung ein. Schließlich zählt das Caritas Bildungswerk mit seinen neun Pflegeschulen (Caritas Bildungszentren) im Münsterland und im nördlichen Ruhrgebiet zu den größten Trägern der Pflegeausbildung in Nordrhein-Westfalen. Entsprechend groß ist die Verantwortung – und der Anspruch an Qualität und Aktualität der Ausbildung. 

„Deswegen stellen wir heute unser Curriculum vor – und zwar in der Version 2.0“, sagte Karsten Bomheuer, Geschäftsbereichsleiter des Caritas Bildungswerkes. Er dankte ausdrücklich allen Beteiligten und richtete seinen Blick auf die Dimension der Aufgabe: Mehr als 1.300 Auszubildende befinden sich aktuell in der laufenden Ausbildung beim CBW. „Das zeigt, wie groß unsere Verantwortung ist.“

Standortübergreifende Arbeit

Wie viel Arbeit, Abstimmung und fachliche Auseinandersetzung hinter dem neuen Curriculum steckt, machte Dominik Schulz, Schulleiter des Caritas Bildungszentrums Oer-Erkenschwick, deutlich. Seit 2006 im Schulbereich tätig, sagt er offen: „Ich kenne keine Schule, die 2020 in der Generalistik gestartet ist und 2026 schon ein neues Curriculum vorlegen kann.“ Das sei keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis eines langen gemeinsamen Weges. Getragen wurde dieser Prozess von einer standortübergreifenden Curriculums-AG, in der das gesamte Bildungswerk vertreten war. Kolleginnen und Kollegen aus dem Kreis Steinfurt, dem Kreis Borken und dem Kreis Recklinghausen arbeiteten gemeinsam an der Neuauflage. Später wurde die Gruppe gezielt erweitert, unter anderem um die E-Learning-AG. 

Eine besondere Rolle spielten die Schulleiter Petra Berger und Reinhard Sicking, die bereits am ersten generalistischen Curriculum mitgearbeitet hatten. Der Blick zurück half, frühere Strukturen und Entscheidungen noch einmal kritisch zu prüfen. „Es war wertvoll, alte Prozesse noch einmal zu sehen, um sie neu zu beleuchten und weiterzuentwickeln“, erklärte Dominik Schulz dazu. Der Weg zum heutigen Curriculum verlief allerdings nicht geradlinig. Petra Berger zeichnete die Entwicklung nach. Bereits 2017 trat das neue Pflegeberufegesetz in Kraft – nach jahrelangen Diskussionen und politischen Auseinandersetzungen. Kurz darauf folgte die Normenkontrollklage aus Bayern. „Von jetzt auf gleich war alles auf Null gesetzt“, erinnerte sich Berger. Der Start verzögerte sich, Konzepte mussten angepasst, Kompetenzen neu gedacht werden. 

Darlegungsformen

Im Sommer 2019 kam schließlich der Rahmenlehrplan. „Ich hatte Urlaub, als die Nachricht kam“, erzählte Berger. Danach ging es direkt an die Arbeit. Schnell wurde klar: Die vorgegebenen curricularen Einheiten mit Darlegungsformen von sieben oder acht Seiten waren im Alltag kaum handhabbar. Persönliches Erleben, institutionelle Rahmenbedingungen, Handlungsanlässe und beteiligte Akteure waren zwar einzeln aufgeführt, ließen sich aber nur schwer übersichtlich zusammenführen. „Vorher hatten wir Darlegungsformen von zwei bis drei Seiten – das war deutlich praktikabler“, so Berger. Erschwerend kam hinzu, dass damals noch viele Honorardozentinnen und -dozenten eingebunden waren, wie Reinhard Sicking ergänzte.

Eine zentrale Antwort des Caritas Bildungswerkes auf diese Komplexität war die Entwicklung der sogenannten beruflichen Handlungssituation. „Das ist unser Produkt“, sagte Berger. Hier werden die konstitutiven Elemente gebündelt und aus mehreren Perspektiven betrachtet. Persönliches Erleben rückt stärker in den Fokus, Akteure werden klar benannt. Pflege wird damit nicht abstrakt vermittelt, sondern als konkrete, erlebbare Situation gedacht – ein Bildungswerk-Ansatz, der so bislang einzigartig ist. Gleichzeitig legte die Curriculums-AG großen Wert darauf, alle Altersstufen und Versorgungssettings systematisch abzubilden. Lernsituationen aus dem Krankenhaus, der Langzeitpflege, der ambulanten Pflege und der Kinderkrankenpflege wurden ausgewählt und praxisnah formuliert. 

Grundlage des Curriculums sind die fünf Kompetenzbereiche des Pflegehandelns: Pflegeprozessgestaltung, Kommunikation und Beratung, interprofessionelle Zusammenarbeit, rechtliche Rahmenbedingungen sowie wissenschaftliche Grundlagen. Diese ziehen sich sichtbar durch den gesamten Lehrplan. Die neuen Inhalte wurden an allen Standorten erprobt, überprüft und weiterentwickelt. Früh setzte das CBW auf Evaluation, um aus Erfahrungen zu lernen. „Dass wir bereits 2026 eine erste Überarbeitung an den Start bringen können, zeigt, dass wir den Prozess ernst nehmen“, so Berger. 

Dominik Schulz war es wichtig, die vielen Schritte hinter dem Curriculum transparent zu machen. „Ein Curriculum ist kein Dokument, das man einmal schreibt und dann abheftet.“ Vielmehr habe es beim Caritas Bildungswerk einen klaren Wiedererkennungswert entwickelt. Besonders zentral war dabei die Beteiligung der Lehrkräfte. In Arbeitsgruppen brachten sie ihre Erfahrungen aus dem Unterricht ein, die Curriculums-AG begleitete diesen Prozess eng. Die Rückmeldungen aus der Praxis bildeten die Grundlage für zahlreiche Anpassungen. Auch die Leistungsüberprüfungen wurden in den Blick genommen.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Unterschiede zwischen den Standorten wurden bewusst nicht vollständig aufgehoben. „Wir wollten kein geschlossenes Curriculum“, erklärte Almut Verwold vom Caritas Bildungszentrum Ibbenbüren. Gleichzeitig wurden gemeinsame Linien definiert – etwa durch optionale E-Learning-Elemente und verbindliche Leistungsnachweise. Neu aufgenommen wurden zudem Hinweise für Pädagoginnen und Pädagogen, um Verknüpfungen im Unterricht zu erleichtern. Altersstufen, Lebensphasen, soziokulturelle Hintergründe sollen künftig durchgängig mitgedacht werden. 

Auch Sprache und Haltung spielten bei der Überarbeitung eine Rolle. Schulleiterin Tatjana Laing machte deutlich, warum scheinbare Details wichtig sind. In früheren Lernsituationen hatten Kinder oder Menschen mit Behinderungen oft nur einen Vornamen. „Warum eigentlich?“, fragten Auszubildende. Heute tragen alle Personen vollständige Namen – ein kleines Detail mit großer Wirkung für Professionalität und Wertschätzung. Pflichtinhalte sorgen für Vergleichbarkeit und Prüfungssicherheit, optionale Inhalte ermöglichen Differenzierung – je nach Kurs, Lerntempo und Leistungsstand. Im Mittelpunkt steht immer die konkrete Lernsituation. Der Start des neuen Curriculums ist 2026, die ersten Kurse beginnen damit im April.