Neujahrsempfang des Caritas Bildungszentrums Rheine – Vortrag von Christiane Neehoff-Tylla:Warum Integration über die Pflege entscheidet


Schulleiterin Petra Berger begrüßte die Gäste und ließ keinen Zweifel daran, wie wichtig dieser Austausch ist. „Wir sind stolz auf unser Netzwerk“, machte sie deutlich – und dieses Netzwerk wächst stetig. Ihre Stellvertreterin Sonja Kurth nannte einige Zahlen. So wird es ab April insgesamt zwölf Fachkraftkurse (Pflegefachmann/Pflegefachfrau) vor Ort geben, gestartet wird wieder zweizügig. An den Nebenstandorten in Emsdetten und Borghorst läuft die Ausbildung zur Pflegefachassistenz. 420 genehmigte Plätze für Pflegefachkräfte und 56 Plätze für Pflegefachassistenten stehen dem Caritas Bildungszentrum ab April zur Verfügung. Menschen aus 55 verschiedenen Nationen lernen und arbeiten im Bildungszentrum. Und wo viele Menschen zusammenkommen, braucht es Raum: In Rheine bietet das neue Gebäude ausreichend Platz, in Emsdetten soll vor Ort erweitert werden. In Steinfurt-Borghorst ist der Umzug von der Nikomedesschule in die Villa Neisse geplant.
Sprachförderung
Mit der Internationalität wächst ein weiterer zentraler Baustein: Sprache. Gemeinsam mit dem Bildungswerk Ibbenbüren startet das Bildungszentrum eine berufsbezogene Sprachförderung für Auszubildende. Anja Greskamp, Leiterin des Bildungswerks, erklärte, man sei anerkannter Träger des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge für Integrations- und Sprachkurse. Ein neues, speziell auf Auszubildende zugeschnittenes Konzept erhielt kürzlich grünes Licht aus Nürnberg. Der Start ist für Ende Januar in Rheine geplant. Ziel ist eine kontinuierliche Begleitung über die gesamte Ausbildung hinweg – eng verzahnt mit den Fachlehrkräften der Caritas. In zwei Kursen nehmen aktuell 16 beziehungsweise 13 motivierte Auszubildende teil. „So können wir früh reagieren, wenn es hakt“, sagte Greskamp.
Den inhaltlichen Schwerpunkt des Empfangs setzte der Vortrag von Christiane Neehoff-Tylla, Pflegedirektorin bei der St.-Bonifatius-Hospitalgesellschaft in Lingen. Der Verbund ist von Leer bis Emsbüren aktiv und betreibt sechs Krankenhäuser, acht Senioreneinrichtungen sowie drei ambulante Pflegedienste. Rund 8.200 Mitarbeitende gehören dazu, etwa 4.000 arbeiten in der Pflege. „Diese Stellen müssen wir nachbesetzen“, sagte Neehoff-Tylla offen. Der Fachkräftemangel sei real – auch hier in der Region. „Unser Auftrag ist es, die Bevölkerung zu versorgen.“
Bereits 2017 startete die Gesellschaft mit dem Recruiting internationaler Pflegefachkräfte. Heute arbeiten Menschen aus über 80 Nationen im Verbund, mehr als 300 Pflegekräfte wurden auf diesem Weg gewonnen. Viele von ihnen leben inzwischen dauerhaft hier, haben ihre Familien nachgeholt und im Emsland ein Zuhause gefunden. „Genau darum geht es“, betonte Neehoff-Tylla. „Wir wollen, dass die Fachkräfte bleiben, sich wohlfühlen – und mit uns leben.“ Ohne internationale Pflegefachpersonen, so ihre klare Aussage, wären Stationen oder ganze Einrichtungen längst geschlossen. Gleichzeitig verschwieg sie die Herausforderungen nicht: sprachliche Hürden, kulturelle Unterschiede, ein höherer Einarbeitungsaufwand. Pflege funktioniere in anderen Ländern anders. Das führe zu Abstimmungsbedarf, manchmal auch zu Spannungen. „Aber stellen Sie sich vor, Sie gehen selbst in ein anderes Land, müssen eine neue Sprache lernen und gleichzeitig arbeiten“, gab sie zu bedenken.
Wohnraum und Mobilität
Hinzu kommen ganz praktische Fragen: Wohnraum ist knapp, Mobilität eingeschränkt, der Nahverkehr im ländlichen Raum oft unzureichend. Viele internationale Pflegekräfte müssen zunächst einen Führerschein machen. Der Verwaltungs- und Behördenaufwand ist hoch, ebenso die Kosten der Rekrutierung. „Trotzdem ist es der richtige und einzige Weg“, sagte Neehoff-Tylla.
Nachhaltigkeit ist dabei das Leitprinzip. Rekrutiert wird ausschließlich in Ländern ohne eigenen Pflegekräftemangel, entsprechend der WHO-Liste. Ein eigenes Integrationsteam begleitet die Pflegekräfte von Anfang an: vom Bewerbungsverfahren über Anerkennung, Wohnungssuche und Arzttermine bis hin zum individuellen Onboarding. Dreh- und Angelpunkt bleibt die Sprache. Sprachkurse, Alltagshilfe und Zeit sind entscheidend. Auch der Familiennachzug, Kindergartenplätze und Arbeitsmöglichkeiten für Lebenspartner gehören dazu. „Wenn die Familie nicht ankommt, sind die Fachkräfte schneller weg, als wir gucken können“, brachte es Neehoff-Tylla auf den Punkt. Integration gelinge erst, wenn alle bleiben und sich zugehörig fühlen. „Wir investieren viel“, sagte Neehoff-Tylla, „aber nur so sichern wir langfristig die Versorgung.“
Einen Blick auf Anfang und Ende warf schließlich Karsten Bomheuer, Geschäftsbereichsleiter des Caritas Bildungswerkes. Er kündigte an, dass Schulleiterin Petra Berger sich zum Jahresende in den Ruhestand verabschieden wird – und stellte gleichzeitig ihre Nachfolgerin vor: Maike Gözze.