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Caritas Bildungszentrum Ahaus-Wessum: Schulleiter Reinhard Sicking verabschiedet:„Reinhard gab Sicherheit“

„Wie hält man eine Rede für jemanden, der eigentlich gar nicht im Mittelpunkt stehen möchte?“ Mit dieser Frage eröffnete Karsten Bomheuer, Geschäftsbereichsleiter des Caritas Bildungswerkes, die Verabschiedung von Reinhard Sicking, dem langjährigen Schulleiter des Caritas Bildungszentrums Ahaus-Wessum. Die Antwort sei alles andere als einfach. Denn wie werde man einem Menschen gerecht, „der immer so korrekt war, dass selbst unsere Protokolle Angst hatten, von ihm gelesen zu werden“, sagte Bomheuer mit einem Augenzwinkern.
Reinhard Sicking, langjähriger Schulleiter des Caritas Bildungszentrums Ahaus-Wessum.
Datum:
24. Juni 2026
Von:
Christian Bödding

Die Frage zog sich wie ein roter Faden durch die Feier im Caritas Bildungszentrum Ahaus-Wessum. Nach mehr als 36 Jahren im Dienst des Caritasverbandes Ahaus-Vreden wurde der langjährige Schulleiter im Beisein seiner Familie, zahlreicher Kolleginnen und Kollegen sowie Wegbegleiter verabschiedet. Schnell wurde deutlich: Hier geht nicht nur ein Schulleiter in den Ruhestand, sondern ein Mensch, der die Pflegeausbildung in der Region über Jahrzehnte geprägt hat.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die persönliche Abschiedsrede des 63-Jährigen. „Heute ist ein besonderer Tag für mich“, sagte Reinhard Sicking. „Ein Tag, an dem man unweigerlich beginnt, im Buch des eigenen Lebens zurückzublättern.“ Mit Erinnerungsstücken aus verschiedenen Lebensphasen nahm er die Gäste mit auf eine Reise durch sein Leben. Da war das Grundschulzeugnis mit den sogenannten Kopfnoten für Fleiß, Beteiligung und Verhalten. Da war die Urkunde eines Maschinenschreibkurses aus dem Jahr 1978 mit damals beachtlichen 112 Anschlägen pro Minute. „Heute würde wahrscheinlich jedes Handy darüber lachen“, bemerkte Sicking schmunzelnd.

Geboren wurde er 1963. Er habe politische Veränderungen, technische Revolutionen und gesellschaftliche Umbrüche erlebt, sagte er. Doch wenn er auf sein eigenes Leben zurückblicke, denke er vor allem an die Menschen, die ihn begleitet haben. Ein entscheidender Moment war der Beginn seiner Ausbildung an der Krankenpflegeschule Ahaus im Jahr 1981. Dort begegnete er nicht nur seinem späteren Beruf, sondern auch seiner Frau Mechthild. „Was Pflege für mich immer bedeutet hat? Dasein. Für den Menschen da sein“, sagte er. 1984 schloss Reinhard Sicking seine Ausbildung zum Krankenpfleger ab. Es folgten Stationen in der Urologie des Ahauser Krankenhauses sowie eine zweite Ausbildung zum Bürokaufmann. Sogar ein kurzer Ausflug in den Autoverkauf gehörte zu seinem Lebenslauf. „Es waren genau sechs Wochen.“

1989 begann schließlich die berufliche Verbindung zur Caritas, die sein weiteres Leben prägen sollte. Als Pflegedienstleiter der Caritas-Sozialstation Stadtlohn startete er in eine Laufbahn, die ihn wenig später auch als Honorardozenten in die Altenpflegeausbildung führte. Es folgten Tätigkeiten als pädagogischer Mitarbeiter, stellvertretender Schulleiter und schließlich Schulleiter. Seine letzte berufliche Station war das Caritas Bildungszentrum Ahaus-Wessum. Dort verantwortete er die Ausbildung zahlreicher Pflegefachkräfte und begleitete die Weiterentwicklung der Pflegeschule über viele Jahre hinweg.

„Wenn ich auf mein Berufsleben zurückblicke, denke ich an die Menschen, die mich begleitet haben“, sagte Sicking. Viele Entwicklungen und Veränderungen wären ohne Kolleginnen und Kollegen nicht möglich gewesen. Vor allem aber erinnerte er an die Schülerinnen und Schüler. Mehr als 2.000 junge Menschen habe er in seinem Berufsleben begleiten dürfen. „Für mich war jede und jeder Einzelne eine Aufgabe. Manchmal auch eine Herausforderung.“ Hinter jeder Schülerin und jedem Schüler habe immer ein Mensch gestanden. Noten seien nie das Entscheidende gewesen. Viel wichtiger seien Haltung, Empathie, Verantwortungsbewusstsein und Ehrlichkeit.

Besonders bewegend wurde es, als er über seine Ehefrau sprach. „Du hast mir all die Jahre den Rücken freigehalten“, sagte er an Mechthild gewandt. Ob lange Arbeitstage, berufsbegleitende Studiengänge oder späte dienstliche Anrufe – sie habe ihn immer unterstützt. Nun freue er sich auf mehr gemeinsame Zeit mit Familie, Kindern und Enkeln.
Karsten Bomheuer erinnerte in seiner Rede daran, dass Reinhard Sicking bereits 1989 zur Caritas gekommen sei und seit 1994 als Schulleiter Verantwortung getragen habe. Viele Strukturen, die heute selbstverständlich seien, gingen auf seine Arbeit zurück. Dazu zählen unter anderem der Aufbau der Nebenstelle in Borken, die Entwicklung neuer Bildungsangebote sowie die Konzeption einer grenzüberschreitenden Pflegeausbildung. „Reinhard war nie der Lauteste im Raum“, sagte Bomheuer. „Aber sehr oft hat er dafür gesorgt, dass Dinge überhaupt möglich wurden.“

Dabei habe er sich fachlich kontinuierlich weiterentwickelt. Neben seiner Ausbildung zum Krankenpfleger absolvierte Sicking zahlreiche Fort- und Weiterbildungen – vom Führungsmanagement in Sozialberufen bis hin zum Bachelor of Business Administration an der Steinbeis-Hochschule, den er mit der Note 1,2 abschloss. Später folgte noch ein Masterstudium, ebenfalls mit glänzender Abschlussnote.

Besonders geschätzt wurde seine ruhige und besonnene Art. Während andere in schwierigen Situationen hektisch wurden, habe Sicking zunächst nachgedacht, Unterlagen geprüft und erst dann Entscheidungen getroffen. „Reinhard gab Sicherheit“, sagte Bomheuer. Genau das sei bis heute die Rückmeldung vieler Kolleginnen und Kollegen.

Auch Reinhard Sickings Stellvertreterin Veronika Olbring würdigte diese Eigenschaften. „Du hast diesen Laden mit einer Funktionalität und einer Ruhe geleitet, die mich jeden Tag aufs Neue beeindruckt hat“, sagte sie. Trotz aller Herausforderungen sei der Humor nie verloren gegangen. Sein Nachfolger Joachim Herick blickte auf die vergangenen sechs Monate gemeinsamer Bürozeit zurück. Für ihn sei es eine besondere Gelegenheit gewesen, Schulleitung im Alltag unmittelbar mitzuerleben. „Eine Engelsgeduld, ein offenes Ohr für alle und ganz viel Erfahrung“ – so beschrieb er das Erfolgsrezept seines Vorgängers. Sicking sei nie nur Chef gewesen, sondern immer ein verlässlicher Ansprechpartner.

Die Ahauser Bürgermeisterin Karola Voß würdigte das Lebenswerk des scheidenden Schulleiters. Wer sich für die Pflege entscheide, bringe besondere menschliche Eigenschaften mit, sagte sie. Sicking habe diese Werte nicht nur selbst gelebt, sondern an Generationen von Auszubildenden weitergegeben. Caritas Bildungswerk-Geschäftsführer Hans-Peter Merzbach würdigte ebenfalls die Lebensleistung des scheidenden Schulleiters. „Jungen Menschen eine Grundlage für ihre berufliche und persönliche Zukunft zu geben, ist eine Kernaufgabe unserer Arbeit“, sagte Merzbach. Über mehr als 36 Jahre habe Reinhard Sicking genau das getan: Menschen begleitet, ihnen Orientierung gegeben und sie dabei unterstützt, ihren eigenen Weg zu finden.

Nach verschiedenen Geschenkübergaben aus dem Kreis der Dienststellenleitungen und der Kolleginnen und Kollegen schloss Reinhard Sicking kurz und knapp den offiziellen Teil seiner Verabschiedung: „Wie man im Münsterland so schön sagt: Macht's gut.“

Verabschiedung von Schulleiter Reinhard Sicking

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